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Sucht durch Stress: Auslöser und Zusammenhänge

Veröffentlicht am 22.01.2019

Stress gehört zu unserer Zeit und Gesellschaft. Ein übervoller Alltag mit Terminen beruflich wie privat und Streit mit der Umwelt. So gut wie jeder Menschen hat seine Erfahrung damit.

Was löst Stress aus?

Die Stressauslöser können vielfältig sein. Sowohl äußere als auch innere Faktoren können Stress auslösen.

Zu den äußeren Stressfaktoren zählen

  • Lärm
  • Wärme
  • Kälte
  • eine falsche Körperhaltung beim Sitzen
  • ein Überangebot an Reizen

Diese äußeren Faktoren sind meist nicht der Grund für eine negative Stressbelastung beispielsweise am Arbeitsplatz.

Zu den inneren Faktoren zählen

  • Art und Weise, wie wir mit unseren Lebens- und Arbeitsbedingungen umgehen
  • perfektionistische und hohe Anforderungen an sich selbst
  • Ehrgeiz
  • Angst vor Ablehnung
  • starkes Bedürfnis nach Anerkennung und Beliebtsein
  • ein schwach ausgeprägtes Selbstwertgefühl und mangelndes Durchsetzungsvermögen
  • Angst vor Verantwortung
  • mangelnde Delegationsfähigkeit
  • nicht „nein“-Sagen können
  • schlechtes Zeitmanagement
  • Schwierigkeiten, mit persönlichen und seelischen Problemen umzugehen
  • zu viele Verpflichtungen und Termine in der Freizeit

Diese inneren psychischen Faktoren führen dazu, dass wir die Stressfaktoren (viele Termine, Telefonate, Pflichten und Aufgaben) als negativ bewerten. Wir fühlen uns damit überfordert und haben das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.

Unterschiedliche Bewältigungsstrategien

Wenn äußere Faktorenb die ursache von Stress wären, mpssten alle Menschen, die in einem ähnlichen Umfeld leben, ebenso von Stress befallen sein. Das ist jedoch nicht der Fall. Die einen verstehen es besser als die anderen, mit Belastungen und Anforderungen umzugehen.

Das Gefühl, den Umständen oder Menschen ausgeliefert zu sein und keine Kontrolle zu haben, kann extremen Stress auslösen. Ob wir eine Situation als unkontrollierbar, d. h. als „stressig“, erleben, bestimmen wir durch unsere ganz persönliche Bewertung der Situation. Es spielt auch eine Rolle, wie wir unserer Fähigkeiten, mit dem Ereignis fertig zu werden, einschätzen.1

Demzufolge entscheidet unsere subjektive Einschätzung, ob wir einem Ereignis gewachsen sind. Sie bestimmt, ob wir die Situation als stressig einstufen und wie gut wir die Belastung seelisch und körperlich verkraften. Wenn man das Gefühl hat, die Kontrolle über ein Ereignis zu haben, wird die Stressbelastung reduziert.

Die große Bandbreite stressauslösender Ereignisse

Es gibt viele Erlebnisse, die die meisten Menschen als belastend empfinden. Da jeder Mensch unterschiedlich erlebt, ist die Bandbreite stressauslösender Ereignisse groß. Allgemein zusammengefasst werden in der TK-Stressstudie 2016, der Job, Freizeit und eigene Ansprüche erwähnt.

  • Mit insgesamt 46 % steht an erster Stelle des sog. Stressbarometers die Arbeit
  • 43 % nennen zu hohe Ansprüche
  • 33 % zu viele Termine
  • 30 % Teilnahme am Straßenverkehr
  • 28 % ständige Erreichbarkeit
  • 25 % schwere Krankheiten eines nahestehenden Menschen
  • 24 % Konflikte mit Nahestehenden
  • 23 % Arbeitsbelastung im Haushalt
  • 19 % Kindererziehung/ Enkelkinder
  • 19 % finanzielle Sorgen
  • 14 % Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen
  • 11 % Arbeitsweg

Die prozentuale Verteilung zeigt, dass die Befragten auf Platz eins einen externen Faktor und auf dem zweiten Platz einen von innen kommenden Faktor nennen. Geschlechtsspezifisch betrachtet setzen sich Frauen selbst unter Druck, während Männer am häufigsten ihren Beruf als Stressauslöser nennen.

Auf diese oben genannten Anforderungen reagiert der Körper mit der Ausschüttung verschiedener Stresshormone. Erhält er keine Entwarnung, indem wir die als belastend und „stressig“ erlebte Situation ändern oder verlassen, bauen wir die Stresshormone nicht ab. Die körperliche Anspannung bleibt. Der Körper befindet sich in einem Dauerstress und einem chronischen Anspannungs- und Aktivierungszustand.

Viele haben Möglichkeiten gefunden, damit umzugehen. Sie treiben z. B. Sport, nutzen Entspannungstechniken oder gehen einem Hobby nach, das sie auf andere Gedanken bringt.2

Was aber, wenn der Stress so groß ist, dass normale Bewältigungsstrategien versagen?

Während manche Mensen auch mit solchen Situationen zurechtkommen, brechen andere unter der Belastung zusammen. Sie entwickeln psychophysische Auffälligkeiten oder konsumieren in einem riskanten Ausmaß Suchtmittel.

Wie hängen extreme Stress-Situationen und Suchtmittelkonsum zusammen?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert als Droge jeden Wirkstoff, der in einem lebenden Organismus Funktionen verändern kann und gleichzeitig kein Nahrungsmittel ist. Anders als in englischsprachigen Ländern, wo der Begriff „drug“ auch Arzneimittel umfasst, ist der Drogenbegriff in Deutschland enger formuliert. Als Drogen werden hierzulande Stoffe und Zubereitungen benannt, die einen Rauschzustand oder eine Bewusstseins- und Wahrnehmungsveränderung bewirken können und zu einer Abhängigkeit führen. Dabei unterscheiden sich die Drogen in ihrer Herstellung, Zusammensetzung und Wirkungsweise. So kann man sie in biogene und synthetisch hergestellte, harte und welche, legale und illegale Drogen einteilen.

„Drogen und Suchtmittel verursachen in Deutschland erhebliche gesundheitliche, soziale und volkswirtschaftliche Probleme: Nach repräsentativen Studien rauchen 16 Millionen Menschen, 1,3 Millionen Menschen sind alkoholabhängig und Schätzungen legen nahe, dass 1,4 Millionen Menschen von Medikamenten abhängig sind. 600.000 Menschen weisen einen problematischen Cannabiskonsum auf, der problematische Konsum von anderen illegalen Drogen liegt bei 200.000 Menschen vor und bis zu 400.000 Menschen gelten als glückspielsüchtig. Es ist davon auszugehen, dass eine zunehmende Zahl von Internetnutzern onlineabhängig ist.“3

Alltagsdoping: Stimmungen „managen“, um Stress abzubauen?

Klienten erzählen, dass sie zum Beispiel zum Abschluss des Tages abends ein Glas Wein oder Bier trinken, um zu relaxen, ähnlich wie ein Medikament. Über eine gelegentliche Handlungsweise kann sich eine Gewöhnung entwickeln und im Verlauf zusätzliche gesundheitliche Probleme ergeben.

Auffällig ist auch, dass immer häufiger von ca. 1/3 der Klienten in der Beratung oder Rehabilitation vor einem Event ein regelrechtes „Stimmungsmanagement“ betreiben. Mit Aufputschmitteln (z. B. Kokain oder Partydrogen, Ritalin) oder um die Leistung am Arbeitsplatz oder im Studium zu steigern. Sie benötigen im Anschluss etwas Beruhigendes wie Opiate, Tranquilizer oder Alkohol.

Das sogenannte „Alltagsdoping“ dient dazu, das eigene allgemeine Wohlbefinden zu verbessern oder aber sich auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene zu entlasten. So etabliert sich in der Gesellschaft die Haltung, es sei üblich, Konflikte oder Krisen durch die Einnahme der oben genannten Präparate zu meistern. Sie treten an die Stelle eines Lösungsmodells, bei dem es um die Erweiterung von sozialen Kompetenzen geht. Eine solche Mentalität erzeugt bei entsprechender Risikoakkumulation ein Suchtrisiko.4

Auffallend ist, dass es einige Menschen häufiger betrifft als andere. Biologische Aspekte spielen eine große Rolle. Vor einer stressbedingten Erkrankung liegt vermutlich bereits eine erhöhte Stress-Verwundbarkeit vor. Im Fokus der Forscher ist ein pathologisch erhöhter Cortisol-Spiegel. Bei entsprechender Anlage und natürlicher Belastung steigt er schneller an und fällt langsamer ab als bei eher stressresistenten Persönlichkeitsstrukturen.5

Diese Fähigkeiten helfen bei der Stressbewältigung – und man kann sie lernen!

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat gemeinsam mit UNICEF zehn allgemeingültige und universell gültige psychosoziale Fähigkeiten bestimmt, die jeder Mensch entwickeln können sollte. Und zwar unabhängig von seiner nationalen und kulturellen Herkunft:

  • Problemlösefertigkeit
  • Entscheidungsfertigkeit
  • kreatives Denken
  • kritisches Denken
  • die Fähigkeit, effektiv zu kommunizieren
  • interpersonelle Beziehungsfertigkeiten
  • Selbstwahrnehmung
  • Empathie
  • Stressbewältigung und Emotionsbewältigung

Die WHO hält fest: „Psychosoziale Kompetenzen befähigen den Menschen, auf die Herausforderungen des täglichen Lebens erfolgreich zu reagieren.“ Die Entwicklung dieser psychosozialen Fähigkeiten kann erheblich zur Erhaltung der Gesundheit beitragen. Ein der Gesundheit gegenüber schädliches Verhalten ist vielfach mit der Unfähigkeit verbunden, auf Stress und Belastungen adäquat reagieren zu können.6

Was kann man bei massivem Stress tun?

Hilfreich entgegenwirken kann eine Teilnahme an einem Präventionskurs, in dem Möglichkeiten zur Entwicklung für kurz- und langfristige Strategien zur Stressbewältigung erworben werden können. Sowie ein SKOLL-Selbstkontrolltraining – für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Suchtstoffen und anderen Suchtphänomen. Beide Präventionskurse werden durch die Krankenkassen gefördert.Literaturangaben

  • Stress Symptome – Folgen von Stress auf Körper & Psyche, Dr. Rolf Merkle, palverlag.de/stress-symptome.html.
  • Techniker Krankenkasse. Gesundheitsreport 2016. Gesundheit zwischen Beruf und Familie. Hamburg: Techniker Krankenkasse 2016. Print.
  • Deutsche Gesellschaft für Psychosoziale Gesundheitsförderung, Ernest Schüle: Sucht als Folge chronifizierten Stresserlebens, 12.06.2012, Bundesministerium für Gesundheit, 2012.
  • Stress und Alltagsdoping, Reader für Fachkräfte in der Suchtprävention, Hausgeber Landesstelle für Suchtfragen der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e. V., Stuttgart Mai 2015)

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